Wer? Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben

Nachhaltigkeitsforscherin, Technik- und Umweltsoziologin

Wann? 25. März 2026

Wo? Cottbus


  • Folge 7: Die kaputten Verhältnisse und wie wir sie reparieren können

Von unbequemen Wahrheiten, den drei Affen und all den Dingen

Nicht erst seit dem Kapitalismus definieren wir uns über den Besitz von Dingen und den Gebrauch von Gütern. Materielle Besitztümer waren schon immer Träger von Identität, Status und Gefühlen. Neu ist jedoch das Ausmaß, mit dem wir im 21. Jahrhundert Güter produzieren und konsumieren. Während Haushalte im 18. Jahrhundert noch über einige Dutzend bis wenige Hundert Dinge verfügten, besitzen wir heute Tausende, teilweise sogar zehntausende Objekte. Weil wir vieles davon nicht wirklich brauchen, platzen Abstellkammern, Dachböden und Rumpelkeller aus allen Nähten. Wir sind es gewohnt, dass uns immer mehr Dinge jederzeit zur Verfügung stehen – und das in unzähligen Variationen. Technik lieben wir besonders, schließlich verbinden wir mit ihr Fortschritt:1

Pro Familie ein Auto. Ein Fahrrad. Klar. Muss sein. Standard. E-Bike, Buggy oder Oldtimer. Statusgüter. Trend. Irgendwie auch Pflicht. Waschmaschine in jeder Wohnung. Versorgungssicherheit. Alles immer sauber. Immer frisch. Saugroboter, nice to have. Immer unterwegs. Kaputt, wenn man ihn braucht. Flachbildschirm in jedem Zimmer: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche. Sowieso. Im Bad auf dem Klo? Warum eigentlich nicht. Intelligente Kühl-Gefrierkombination mit Touchscreen. Energieeinsparung. Ziemlich cool. Automatische Liste. Fehlendes merken. Smartphone. Computer. Und ein Tablet vor dem Fernseher auf dem Sofa. Googeln. Scrollen. Lümmeln. Immer Multitasking – überall erreichbar! Nicht mehr denken. KI denkt. Wir klicken. Scrollen. Liken. Vergessen. Smart. Vernetzt. Ziemlich Dumm. WLAN-Kamera. Ein Smartwatch-Alarm bei Bewegung. Angst. Kontrolle. Sicherheit. Immer wachsam. Alles haben. Wenig nutzen. Nichts verpassen. Nie mehr loslassen können.

Die bekannte japanische Figur mit drei Affen – einer bedeckt sich den Mund, ein anderer die Ohren und einer die Augen – illustriert, wie wir mit unbequemen Wahrheiten umgehen, die unsere privilegierte Stellung infrage stellen. Wir sprechen lieber nicht aus, dass wir nicht nur über unsere Verhältnisse leben, sondern auch über jene der anderen. Besser hören wir jenen Berichten nicht zu, die uns schildern, wie wir all die Lasten, die mit der Produktion unserer „Luxuswaren“ einhergehen, auf den Schultern der Personen verteilen, die keine Macht und keine Stimme haben. Und obwohl uns Wissenschaftler anhand der ökologischen Folgen unserer Wirtschaftsweise seit Jahrzehnten vor Augen führen, weshalb das Verhältnis „Technik – Erde – Mensch“ völlig aus den Fugen geraten ist, sehen wir lieber weg. Erst wenn uns die Vergangenheit wie ein Bumerang wieder einholt und uns all die unbequemen Wahrheiten um die Ohren fliegen, begreifen wir die Schwierigkeiten, in denen wir stecken.

Um mit jemandem zu sprechen, der sich über Dinge wie diese bereits viele Gedanken gemacht hat, treffen wir in Folge 7 der UmDenkSeiten Frau Prof. Dr. phil. Melanie Jaeger-Erben. Sie leitet an der BTU Cottbus-Senftenberg das Fachgebiet für Technik- und Umweltsoziologie. Als Nachhaltigkeitsforscherin hat sie nicht nur unsere Rumpelkeller unter die Lupe genommen, sondern auch die kaputten Verhältnisse, in denen wir leben. Im Gespräch erklärt sie den unangenehmen „Bumerang-“ bzw. „Rebound-Effekt“ und geht der Frage nach, ob „Kreislaufwirtschaft“ ein Ausweg aus der Krise sein kann. Schließlich zeigt sie auf, wie wir in Zeiten der Transformation unsere Verhältnisse reparieren und unser Verhältnis zu Technik und Natur neu justieren können.

Fußnote

1 Vgl. Trentmann, Frank: Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute, München 2018.

Wer? Dr. Eugen Drewermann

Theologe, Friedensaktivist und Schriftsteller

Wann? 9. Dezember 2025

Wo? Paderborn

  • Folge 6: Lehren der Demut in selbstverliebten Zeiten

Demut als Gegengewicht zum Anspruch auf Allwissenheit?

Mit dem Humanismus und spätestens mit der Aufklärung wurden die Menschen in Europa dazu ermutigt, ihren eigenen Verstand zu gebrauchen. Kritisches Denken sollte ihnen helfen, die Welt zu verstehen und unabhängig von Autoritäten, Traditionen und religiösen Dogmen zu urteilen.

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, forderte Immanuel Kant, einer der bedeutendsten Denker dieser Epoche.

Mit der Befreiung von kirchlicher Kontrolle und dem Fortschritt in Wissenschaft und Technik festigte sich die Überzeugung, der Mensch könne als vernunftbegabtes Wesen auch ohne göttliche Führung bestehen. Wer das Atom spaltet, das Erbgut verändert und die Gesetzmäßigkeiten der Natur erforscht, gerät jedoch leicht in die Versuchung, die Grenzen seines Begreifens zu übersehen – und sich selbst zu überschätzen. Geblendet von der eigenen Geistesgröße strebt der Mensch nach Wissen und Macht und öffnet die Büchse der Pandora, aus der er Kräfte freisetzt, die ihm seiner Kontrolle entgleiten.

Die „Krone der Schöpfung“ ersetzt den Verlust der Religion durch den Götzenkult um das eigene Selbst – und verkennt ihre Ohnmacht. Trotz aller Vernunft bleibt der Mensch blind für die Tatsache, dass er bis heute die zentralen Fragen zur eigenen Existenz nicht beantworten kann: Wir wissen nicht, warum wir existieren, wie lange unser Leben sein wird oder was nach dem Tod geschieht. Obwohl es uns nicht geben müsste und das wir sind, ein Geschenk ist, fehlt es uns oft an Demut – gegenüber uns selbst, unseren Mitmenschen und der Welt, die uns trägt.

„Doch nur der Glaube an Gott bewahrt uns davor, selbst Gott spielen zu müssen. Das Programm des homo deus (des Menschengottes) ist nicht die Verheißung des 21. Jahrhunderts, es ist der Grund der Katastrophe, die wir selbst uns soeben bereiten.“1

Im Matthäus-Evangelium (Mt 5,3) heißt es: „Selig sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Gemeint ist damit keine materielle Armut, sondern eine Haltung der Demut und Offenheit – die Einsicht in die eigene Begrenztheit und das Vertrauen auf eine höhere Ordnung.
Wer „arm im Geist“ ist, erkennt seine Grenzen und bleibt empfänglich für eine Führung, die über das eigene Wissen hinausweist. Um zu erfahren, ob Demut tatsächlich ein Gegengewicht zum Anspruchsdenken auf Allwissenheit ist, sprechen wir in dieser Folge der Umdenkseiten mit Dr. theol. Eugen Drewermann, einem Wegweiser globaler Menschlichkeit.

Fußnote

1 Drewermann, Eugen: Über die Unsterblichkeit der Tiere. Über die Verwandtschaft allen Lebens. Zwei Essays, Ostfildern 2022, S. 11 f.

Wer? Prof. Dr. Gerald Hüther

Neurobiologe, Autor und Gründer der Akademie für Potenzialentfaltung

Wann? 19. August 2025

Wo? Witzenhausen

  • Folge 5: Von der Verwicklung hin zur Entwicklung

  • Folge 4: Vision einer Kultur der Potenzialentfaltung

Gesellschaft 4.0 – Aufbruch in eine neue Beziehungskultur

Der Einzelne wird erst durch die anderen zu dem, was er ist. Ohne Gemeinschaft, ohne Gesellschaft wäre er nicht lebensfähig – er könnte weder sprechen noch laufen lernen, geschweige denn sich in der Welt zurechtfinden. Alles, was wir an Fähigkeiten, Wissen und Orientierung besitzen, verdanken wir der Kultur, in die wir hineingeboren werden, und den Menschen, die uns begleiten. Es lässt sich daher kaum leugnen, dass wir der Gesellschaft vieles zu verdanken haben. Und trotzdem sollte Dankbarkeit nicht mit blindem Gehorsam verwechselt werden. Vielmehr bedeutet sie, Verantwortung zu übernehmen – auch durch kritische Fragen und das Benennen von Missständen, denn gerade in engen Beziehungen, wie im gesellschaftlichen Miteinander, ist eine wohlmeinende, konstruktive Kritik nicht nur erlaubt, sondern überfällig. Daher sollten wir nicht vergessen:

In der Gesellschaft bewegen wir uns in einem Gefüge aus hierarchischen Strukturen, in dem Menschen in unterschiedliche Machtpositionen und Rollen eingeordnet werden. Was uns dabei kaum noch auffällt, weil es so selbstverständlich erscheint, ist die Tatsache, dass wir uns gegenseitig immer wieder zu Objekten unserer Erwartungen, Interessen und Bewertungen machen. Indem wir andere Menschen nach dem beurteilen, was sie für uns leisten, erfüllen oder darstellen sollen, berauben wir sie ihrer Lebendigkeit und Einzigartigkeit. So betrachten wir jeden Einzelnen meist unter dem Aspekt seiner Verwertbarkeit: als Ressource im Konkurrenzkampf, als Mittel zur Steigerung von Effizienz, Profit und Anpassungsfähigkeit an bestehende Strukturen.

Ob in der Schule oder am Arbeitsplatz – fast überall sind wir in Systeme eingebunden, in denen andere für uns bestimmen, was richtig und falsch ist. Anpassung wird belohnt, Abweichung bestraft. Wo solche entfremdeten Erfahrungsprogramme dominieren, entwickeln Menschen ihre Ansichten und Handlungsweisen nicht mehr aus innerem Antrieb, sondern aus vorauseilendem Gehorsam – um die Erwartungen, Leistungen und Vorgaben anderer zu erfüllen. Auf diese Weise bringt unsere Gesellschaft massenhaft Menschen hervor, die zwar hervorragend funktionieren, jedoch sinnentleert und fremdbestimmt sind. Sie macht ihre Mitglieder zu Objekten – zu Rädchen im Getriebe –, die funktionieren, anstatt zu fühlen, zu hinterfragen oder lebendig zu sein.

Wie wir unsere Lebendigkeit zurückgewinnen können – jene, mit der wir einst als Kinder in die Welt kamen –, und wie es uns gelingen mag, unsere Potenziale wieder selbstbestimmt zu entfalten, darüber sprechen wir in einer weiteren Ausgabe der UmDenkSeiten mit Prof. Dr. rer. nat. Gerald Hüther.

Ebendieser weiß, dass unsere Gesellschaft für jeden Einzelnen eine Vielzahl von Überzeugungen bereithält – Dogmen, Ideologien und Glaubenssätze –, die zunächst Halt und Orientierung geben. Doch im Laufe unseres Lebens übernehmen wir diese nicht passiv, sondern aktiv – aus dem Bedürfnis heraus, dazuzugehören, Anerkennung zu finden und Sicherheit zu gewinnen: geprägt durch Erziehung, Anpassungsdruck und eigene Entscheidungen. Dabei entstehen in unserem Gehirn feste Verknüpfungen, die unser Denken, Fühlen und Handeln voneinander trennen. So verstricken wir uns zunehmend in Vorstellungen – und verlieren die Fähigkeit, unser Selbst- und Weltbild kritisch zu hinterfragen. Wer jedoch in solchen Überzeugungen gefangen bleibt, sieht nicht mehr, was wirklich ist, sondern nur das, was er sehen will. Für Hüther ist klar: Ein solcher Mensch ist nicht frei, sondern ein Gefangener seiner eigenen Vorstellungen.

Um Menschen zu ermutigen, sich aus diesen Verwicklungen zu lösen, hat Gerald Hüther die Akademie für Entwicklungshilfe ins Leben gerufen – eine virtuelle Plattform, die wie ein Haus gestaltet ist. Dort erwarten uns ein Rumpelkeller, ein Empfang, ein Parcours, eine Cafeteria und ein Dachboden – jeder Raum ein Sinnbild für eine Phase des Entwicklungsprozesses. Mit Übungen, Aufgaben und kleinen Anstößen lädt die Akademie dazu ein, die eigene Selbstreflexion zu erproben. Wie ein Rundgang durch dieses besondere Haus aussieht, darüber sprechen wir in einer weiteren Folge der UmDenkSeiten mit dem Architekten und Hausherrn der Akademie selbst.

Wer? Dr. med. Hans-Joachim Maaz

Psychiater, Psychotherapeut und Bestsellerautor


Wann? 15. April 2025


Wo? Halle an der Saale

  • Folge 3: Psychische Revolution

  • Folge 2: Falsches Leben & Normopathien

  • Folge 1: Gefühlsstau & Kompensation

Verändere dich, und du veränderst die Welt

In den ersten Folgen der UmDenkSeiten widmen wir uns einem Themenkomplex, der vermutlich nicht jedermanns Sache sein wird – dessen Bedeutung für das Individuum, unsere Gesellschaft und die Zukunft der Menschheit jedoch kaum überschätzt werden kann. Getreu dem Motto „Verändere dich, und du veränderst die Welt“ bezieht sich das Umdenken in den ersten drei Episoden auf das Leben jedes Einzelnen. Doch was so einfach klingt, entpuppt sich für die Menschheit als eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt. Denn während der Mensch gerne mit dem Finger auf andere zeigt, greift er nur ungern an die eigene Nase.

Warum gerade dieser innere Fingerzeig – die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, den persönlichen Glaubenssätzen und dem individuellen Weltbild – für nahezu jeden Menschen aufschlussreich sein kann, besprechen wir mit dem renommierten Psychiater, Psychotherapeuten und Bestsellerautor Dr. med. Hans-Joachim Maaz. In der ersten Folge der Reihe „UmDenkSeiten im Gespräch“ erläutert er, was es mit dem sogenannten „Gefühlsstau“ auf sich hat – seinen Ursachen, Folgen und charakteristischen Ausprägungen.

In der zweiten Folge richten wir den Blick auf unsere Gesellschaft und sprechen über sogenannte „Normopathien“ und das „Falsche Leben“.

Ganz im Sinne der UmDenkSeiten bleiben wir jedoch nicht bei der Analyse des Ist-Zustandes stehen, sondern wagen in der dritten Folge einen visionären Blick in die Zukunft. Wir stellen uns vor, wie eine Welt von morgen aussehen könnte – eine Welt, in der Menschen ganz sie selbst sind und im Einklang mit ihrem inneren Wesenskern leben. Dieses Zukunftsbild weckt verlockende Assoziationen und mündet in einem Appell für einen friedlichen Wandel: Nicht zu den Waffen rufen wir auf, sondern zur Psychischen Revolution. Und so erheben wir – in tiefer Überzeugung von ihrem Sieg – die Faust zum Gruß und lassen es laut gesagt sein:

„Erleuchtete aller Länder, vereinigt euch!“