Der Mensch, ein Geschichtenerzähler – oder: Was Visionen für die Menschheit so kostbar macht

Die Karikatur von Roland Beier zeigt Karl Marx, der scheinbar beiläufig bemerkt: „Tut mir leid, Jungs! War halt nur so ’ne Idee von mir.“ Die Entschuldigung wirkt fast harmlos, verdeutlicht aber, wie folgenreich Gedanken sein können. Es kann schon mal passieren, dass eine Idee die ganze Welt verändert. Es kann schon mal passieren, dass die Visionen einer klassenlosen Gesellschaft und einer Entprivatisierung der Produktionsmittel um sich greifen, Menschen mobilisieren und neue politische Systeme hervorbringen. Und es kann schon mal vorkommen, dass die überzeugende Geschichte von der Arbeiterrevolution so lange erzählt wird, bis sie die Spaltung Berlins vorantrieb – und eine Welt in zwei Lager riss.

Von Geheimnissen zu großen Visionen

Warum kann eine Idee die Welt verändern? Selbstverständlich, weil es einige Geschichten gibt, die gut erzählt werden – und vor allem, weil der Mensch ein erzählendes Wesen ist, das Geschichten gerne lauscht. Geschichten sind unser ältestes Bindemittel: Sie unterhalten nicht nur, sie geben uns Bedeutung, Zugehörigkeit und Orientierung. Und Hand aufs Herz: Wer hört nicht gern jene flüsternden Erzählungen über andere, in denen sich Heimlichkeiten, Peinlichkeiten und kleine Schlechtigkeiten die Klinke in die Hand geben? Man erkennt das Interesse der Zuhörerschaft sofort – an großen Augen, offenen Mündern und gespitzten Ohren. Der Medienwissenschaftler Clemens Schwender stellt in diesem Zusammenhang treffend heraus:

„Wissen ist Macht und das Wissen über andere – auch wenn es nur ein mutmaßliches Wissen ist – ist Macht über andere. Schließlich können wir auch Informationen über andere in Umlauf bringen, um deren Status zu schaden und um den eigenen zu befördern. Wir wollen wissen, wem man einen Gefallen erweisen kann und wer einen anzubieten hat, wer gilt als glaubwürdig, wer als Lügner, wer ist als Sexualpartner verfügbar oder könnte es demnächst sein, wer steht unter dem Schutz eines eifersüchtigen Partners. All dies gibt uns offensichtlich Vorteile im Spiel des Lebens.1

Anhand von Klatsch und Tratsch definieren sich soziale Gruppen. Sie schaffen ein Gefühl der Verbundenheit und werden deshalb umgangssprachlich als „Klebstoff“ einer Gemeinschaft bezeichnet.2 Mit hinter vorgehaltener Hand erzählten Geschichten war es dem Homo sapiens möglich, größere und stabilere Gruppen zu bilden. Trotzdem erklärt die Gerüchteküche nicht, weshalb eine Vision die gesamte Welt verändern konnte. Denn aus der Soziologie wissen wir, dass die maximale „natürliche Größe“ einer Gruppe, die durch das Erzählen von Tratschgeschichten verbunden ist, etwa 150 Individuen beträgt. In der Regel können Menschen weder mehr als 150 Menschen kennen noch effektiv über sie tratschen. Jede Gemeinschaft, die über diese Größe hinausgehen möchte, benötigt organisatorische Strukturen – und vor allem eine gemeinsame Erzählung.

Um zu verstehen, weshalb eine Vision die Kraft haben kann, die gesamte Welt zu verändern, ist sich in Erinnerung zu rufen, dass der Mensch – im Unterschied zu allen anderen Lebewesen auf der Erde – über die einzigartige Fähigkeit verfügt, fiktionale Realitäten zu erschaffen. Mit anderen Worten: Nur Menschen sind in der Lage über Dinge zu sprechen, die allein in deren Vorstellungswelten existieren und eben nicht in der physischen Realität. Anders als eine Lüge ist eine erdachte Wirklichkeit etwas, an das alle glauben. Und solange alle an sie glauben, hat diese erfundene Wirklichkeit eine reale Macht in der tatsächlichen Welt. Aufgrund fiktiver Sprache entstehen Mythen über Götter und Helden, aber auch Dinge wie Bitcoins oder Menschenrechte. In der Fähigkeit, fiktionale Realitäten zu erschaffen, sieht der israelische Historiker Yuval Noah Harari das Erfolgsgeheimnis des Homo Sapiens begründet: Sie versetzt ihn in die Lage, Millionen von Menschen für eine gemeinsame Sache zu bewegen.3

Von Mythen zu Bitcoins: Macht durch Vorstellung

Um zu verstehen, weshalb eine Vision die Kraft haben kann, die gesamte Welt zu verändern, ist sich in Erinnerung zu rufen, dass der Mensch – im Unterschied zu allen anderen Lebewesen auf der Erde – über die einzigartige Fähigkeit verfügt, fiktionale Realitäten zu erschaffen. Mit anderen Worten: Nur Menschen sind in der Lage über Dinge zu sprechen, die allein in deren Vorstellungswelten existieren und eben nicht in der physischen Realität. Anders als eine Lüge ist eine erdachte Wirklichkeit etwas, an das alle glauben. Und solange alle an sie glauben, hat diese erfundene Wirklichkeit eine reale Macht in der tatsächlichen Welt. Aufgrund fiktiver Sprache entstehen Mythen über Götter und Helden, aber auch Dinge wie Bitcoins oder Menschenrechte. In der Fähigkeit, fiktionale Realitäten zu erschaffen, sieht der israelische Historiker Yuval Noah Harari das Erfolgsgeheimnis des Homo Sapiens begründet: Sie versetzt ihn in die Lage, Millionen von Menschen für eine gemeinsame Sache zu bewegen.3

Wenn Erzählungen Grenzen setzen

Geschichten können jedoch auch unsere Wahrnehmung verengen. Karl Marx, der sich eingangs – wie in der Karikatur – dafür entschuldigte, dass seine Idee die Welt auf den Kopf stellte, wusste auch, wie hinderlich Geschichten mitunter sein können. So stellte er fest:

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten; sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.4

Marx will sagen, dass Erzählungen – das heißt Mythen und Glaubenssysteme – die Menschheit seit Anbeginn geprägt, aber auch eingeschränkt haben. Sie schreiben fest, was möglich ist, wie wir andere und uns selbst zu sehen haben. Solche Geschichten können wie unsichtbare Ketten wirken: Indem sie das Althergebrachte stabilisieren, verhindern sie Entwicklung.

Macht euch der Erde untertan!

In der christlichen Theologie wird zum Beispiel der Vorrang des Menschen gegenüber dem Tier betont, anstatt die Verwandtschaft allen Lebens in den Vordergrund zu rücken.5

„Wachset undmehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und alle die Vögel des Himmels, über das Vieh und alle Tiere, die auf Erden sich regen.“

heißt es in der Genesis (Gen 1,28). Und dass der Mensch den Autor dieses Buches beim Wort genommen hat, zeigt sich am planetarischen Gleichgewicht der „Biomasse“, das völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Der Mensch, der ursprünglich eine Säugetierart unter Hunderten war, macht heute 36 Prozent der Gesamtmasse aller Landsäugetiere aus. Rinder, Schweine sowie andere domestizierte Nutztiere stellen 60 Prozent, während Wildtiere nur noch vier Prozent der Biomasse ausmachen. Dass von der gesamten Biomasse auf den Menschen und seine Nutztiere insgesamt 96 Prozent entfallen und nur vier Prozent auf alle Wildtiere, verdeutlicht,7 wie viele Menschen an die Erzählung der Genesis glauben – und dass ein solcher Glaube Berge versetzen kann, zeigt die Epoche, in der wir leben und die wir selbstbewusst als „Anthropozän“ bezeichnen.

Wie Narrative das (politische) Klima beeinflussen

Glaubenssätze wie dieser hatten ihren Ursprung in einer menschenleeren Zeit. Heute – in einer Welt mit rund acht Milliarden Menschen – birgt das Selbst- und Weltbild des Menschen, das mit der „Krone der Schöpfung“ einhergeht, Probleme, an die einst nie zu denken war. Obwohl wir wissen, dass die Massentierhaltung ein wesentlicher Emittent von klimaschädlicher Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4) ist und bereits im Jahr 2018 etwa 62 Prozent der gesamten Methan- und 79 Prozent der Lachgasemissionen in Deutschland aus der Viehwirtschaft stammten – also 63,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid Äquivalente verursachten –,8 machen Bundestagsabgeordnete wie Alice Weidel noch immer mit Rufen wie „Ich lasse mir nicht mein Schnitzel wegnehmen“ auf sich aufmerksam.9 Wie es auf dem politischen Parkett um die Prioritäten steht, zeigt nicht zuletzt der Kulturkampf im EUParlament, als es um ein Verbot von Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“ oder „Soja-Schnitzel“ ging.10 Inwiefern Erzählungen vom Menschen als „Krone der Schöpfung“ alte Ernährungsgewohnheiten beflügeln und Alternativen verhindern, die Gesundheit, Umwelt und Tierwohl fördern könnten,11 sei dahingestellt.

Unsere Zukunft liegt in den Geschichten, die wir erzählen

Wenn in Zeiten der Krise etablierte Erzählungen nicht mehr mit den persönlichen Erfahrungen übereinstimmen, spricht man in der Psychologie von kognitiver Dissonanz. Heute sind die planetarischen Veränderungen und die sozialen Ungleichheiten so spürbar groß geworden, dass die Erzählung vom Menschen, dem sich alles zu unterwerfen habe, auserzählt ist. Auch der utopische Entwurf einer Fortschrittsgesellschaft im Sinne von Karl Marx war auserzählt, nachdem der Fall des Eisernen Vorhangs zeigte, dass die Versprechen von vollständiger Freiheit und Gleichheit nicht eingelöst werden konnten.12 Wenn alte Erzählungen grundlegend infrage gestellt werden, bieten sich die Chance für einen Neuanfang. Wer neue Wege gehen will, braucht neue Erzählungen. Zukunft entsteht, wenn wir beginnen, uns andere Geschichten über uns selbst, das Leben und das Miteinander zu erzählen. Die Zukunft der Menschheit wird davon abhängen, welche Geschichten wir glauben und weitererzählen – sie formen unser Zusammenleben und unsere Entscheidungen.13 Es bleibt nur zu wünschen, dass wir uns daher möglichst nur Geschichten erzählen, für die wir uns später nicht mehr entschuldigen müssen.

Fußnote

1 Schwender, Clemens: Medien und Emotionen. Evolutionspsychologische Bausteine einer Medientheorie, Wiesbaden 2001, S. 134.
2 Vgl. Bolzern-Konrad, Britta/ Dörfel, Gerlinde: Vertrauen und Kompetenzentfaltung. Das Return-on-Trust-Modell als Katalysator erfolgreicher Führungsarbeit, Berlin 2024, S. 8.
3 Zur „kognitiven Revolution“ Harari, Yuval Noah: Eine kurze Geschichte der Menschheit, München 2015, S. 38-52.
4 Marx, Karl: Der achtzehnte Brumaire des Louis Napoleon, in: Die Revolution. Eine Zeitschrift in zwanglosen Heften, 1 (1852), Kapitel I-VII, hier I.
5 Drewermann, Eugen: Über die Unsterblichkeit der Tiere, Über die Verwandtschaft allen Lebens. Zwei Essays, Ostfildern 2022.
6 Vgl. Blom, Philipp: Die Unterwerfung. Anfang und Ende der menschlichen Herrschaft über die Natur, München 2024.
7 Hageneder, Fred: Nur die eine Erde. Globaler Zusammenbruch oder Heilung – unsere Wahl, Saarbrücken 2021, hier Punkt Viehhaltung.
8 Vgl. Herbrich, Bert: Das System Massentierhaltung im Verfassungsrecht (Schriften zum Öffentlichen Recht, Bd. 1468), Berlin 2022, S. 160.
9 Vgl. Haupt, Friederike: „Vegan detoxen mit Alice Weidel“, in: FAZ, online unter: https://www.faz.net/aktuell/stil/essentrinken/vegan-detoxen-mit-alice-weidel-110466350.html (abgerufen am 27.11.2025).
10 Vgl. Jahberg, Heike: „Was soll der neue Kulturkampf und die Wurst?“, in: Tagespiegel, online unter: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/was-soll-der-neue-kulturkampf-um-die-wurst-an-unserem-kuchentischherrscht-langst-frieden-14514104.html (abgerufen am 07.11.2025).
11 Vgl. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., online unter: https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/faqsvegane-ernaehrung/#c8240 (abgerufen am 13.11.2025).
12 Vgl. Graf, Rüdiger/ Herzog, Benjamin: Von der Geschichte der Zukunftsvorstellungen zur Geschichte ihrer Generierung. Probleme und Herausforderungen des Zukunftsbezugs im 20. Jahrhundert, in: Geschichte und Gesellschaft. Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 42/3 (2016), S. 497-515.
13 Vgl. Göpel, Maja: Transformabilität als das Ergebnis einer neuen Aufklärung. Wie Denken die Welt verändert und warum wir heute groß umdenken sollten, in: „Leitkultur“ Ökologie? Was war, was ist, was kommt? (Jahrbuch Ökologie 2017/2018), hrsg. von Maja Göpel u. a., Stuttgart 2018, S. 187-198.

Einführung – eine Gesellschaft ohne Zukunft?

Im Blickwinkel der Tagesschau erscheint unsere Gegenwart zerbrechlich. Tag für Tag wird von neuen Katastrophen berichtet. Längst geht es dabei nicht mehr nur um den Klimawandel, das Artensterben oder die Finanzkrise. Da sind heute auch die Geflüchteten, die auf dem Grunde des Mittelmeeres liegen, die unbekannten Viren, die das gesellschaftlich-politische System auf den Prüfstand sowie die Kriegstreiber, die die Menschheit an den Abgrund stellen. Unterdessen steht fest, dass der Status quo ins Wanken geraten ist.

Zur Lebenswelt postmoderner Gesellschaften gehört deshalb auch das Gefühl, Teil einer Zeitenwende zu sein. Im Gegensatz zur industriellen Revolution handelt es sich jedoch nicht um eine Wende zum Besseren. Im Gegenteil – aller Aufschwung scheint dahin zu sein. Was einst Wohlstand und hohen Komfort versprach, ist zur Bedrohung geworden. Das Wirtschaftssystem und das in enger Verbindung dazu stehende Mantra des permanenten Wachstums erweisen sich in einer endlichen Welt als existenzgefährdend. Obwohl durch den Kapitalismus schon die ersten Krisen ausgelöst wurden, beginnt die Politik selbst in Krisenzeiten die Strategien zu intensivieren, mit denen sie bisher erfolgreich war. Wenn die Wirtschaft lahmt, druckt man eben neues Geld oder setzt auf andere künstliche Anreize, die den ausbleibenden Aufschwung wieder in Gang setzen sollen.

Der Soziologe Norbert Elias beschreibt mit dem „Nachhinkeffekt“ das Bewusstsein einer Gesellschaft, die sich im Abstieg befindet. Weil die Gesellschaft ihren Bedeutungsverlust nicht verkraftet und es nicht anders schafft, mit den sich verändernden Bedingungen umzugehen als mit intensiviertem Erfahrungshandeln, speist sich deren Selbstbild immer noch aus den Erfahrungen einer früheren Entwicklungsphase, obwohl sie sich unterdessen in einer ganz anderen Lage befindet. Auf diese Weise verharrt diese Gesellschaft im Gefühl einstiger Größe und verkennt dabei die eigene Unfähigkeit zur Gestaltung der neuen Lebensumstände.

In diesem Sinne entsteht ein gesellschaftlicher Tunnelblick, der die Wahrnehmung von Handlungsmöglichkeiten hemmt und mitunter sogar unmöglich macht. Mit dem Abstieg in die verringerte Bedeutsamkeit geht jedoch auch ein Verlust an Zukunftsperspektive einher. Die Welt von morgen rast auf jene Szenarien zu, die uns aus Katastrophenfilmen wie Greenland bekannt erscheinen. Aus den Utopien von gestern wurden die Dystopien von morgen. Die Vorstellung, sich in dieser Zukunft zurechtfinden zu müssen, weckt Ängste und Wut. Ohnmachtsgefühle wie diese finden in Protestbewegungen wie der „Letzte Generation“ oder „Fridays for Future“ ein gesellschaftliches Abbild. Und so ist es nicht überraschend, dass laut aktuellen Umfragen viele junge Leute pessimistisch in die Zukunft blicken.

Beim Umgang mit Zukunftsängsten setzen die UmDenkSeiten nicht auf die Suche nach Schuldigen, die für die jeweiligen Miseren verantwortlich sind, sondern auf die Fähigkeiten des Menschen, die ihn als Spezies so einzigartig macht – nämlich die Fähigkeit zur Reflexion und Intention. In diesem Zusammenhang wird die Zukunft nicht als etwas verstanden, das vom Himmel fällt. Vielmehr wird hier die Zukunft als etwas begriffen, das im Ergebnis des eigenen Denkens und Handelns entsteht.

Die Bandbreite der Beiträge ist vielfältig. Von der Architektur der Zukunft über die klimaneutrale und nachhaltige Landwirtschaft bis hin zu einer gesellschaftlichen Zeitenwende werden hier prinzipiell keine Themen ausgespart. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass die UmDenkSeiten weder einen Anspruch auf Allwissenheit noch die absolute Wahrheit erheben. Die Welt war immer schon komplex, jedoch gab es immer auch schon Entwicklungen, die uns hoffnungsvoll stimmen konnten. Niemand hielt beispielsweise für möglich, dass die Berliner Mauer innerhalb weniger Wochen zu Fall gebracht werden konnte. Nicht ohne Grund wird die Friedliche Revolution als das eindrücklichste Beispiel für einen fundamentalen Systemwechsel in der deutschen Geschichte angesehen.

Einige der Ideen, die auf den UmDenkSeiten vorgestellt werden, mögen aus unterschiedlichsten Gründen (noch) unerreichbar erscheinen, jedoch skizzieren sie wünschenswerte Veränderungen, die in eine Welt von morgen führen, in der man den Rest seines Lebens gerne verbringen möchte. Auf diese Weise tragen die hier vorgestellten Visionen auch zur gesellschaftlichen Potenzialentfaltung bei, denn, eine Zukunft, die weit und offen erscheint, ist etwas, das man kaum erwarten kann, und damit auch etwas, für das man sich mit ganzer Kraft einsetzen wird.

Fußnote

Vgl. z. G.: Berg, Christian: Ist Nachhaltigkeit Utopisch? Wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln, München 2020, S. 410; Göbel, Maja: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung, Berlin 2020, S. 9-22; Ebd.: Wir können auch anders. Aufbruch in die Welt von morgen, Berlin 2022, S. 9-17; 80-102; Suckert, Lisa: Die Zukunft in der Krise (26. März 2021), in: Max-Planck-Gesellschaft, online unter: https://www.mpg.de/16623464/die-zukunft-in-der-krise (abgerufen am 03.04.2024); Welzer, Harald: Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand, Berlin 2019, S. 7-15.

Der langen Rede kurzer Sinn – die Projektbeschreibung:

Die UmDenkSeiten gUG (haftungsbeschränkt) widmet sich der Aufgabe, positive Perspektiven einer möglichen Zukunft zu entwerfen, in der man wieder gerne sein Leben verbringen möchte. Dazu wird ein Internetportal betrieben, auf dem Text-, Ton- und Videomaterial veröffentlicht wird. Es handelt sich um Beiträge, in denen die Möglichkeiten zur Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders neu gedacht und deren Alternativen diskutiert werden. Es werden Narrative in den Mittelpunkt gerückt, in denen es weniger um Krisen geht als vielmehr um Lösungsansätze. Dabei wird auf eine optimistische Darstellungsweise Wert gelegt. In diesem Sinne endet jeder Beitrag mit einem positiven Ausblick. Auf diese Weise möchte die Gesellschaft eine Öffentlichkeitsarbeit voranbringen, die mithilfe von Zukunftsvisionen auf geistigem Gebiet zur gesellschaftlichen Potenzialentfaltung beiträgt.

UmDenkSeiten – Eine Wortneuschöpfung mit nachhaltiger Botschaft

Die gemeinnützige Unternehmergesellschaft trägt den Namen „UmDenkSeiten“. Die Wahl der Bezeichnung erfolgte in Anlehnung an den Buchtitel „Unsere Welt neu denken“. In diesem Buch lädt Prof. Dr. Maja Göpel dazu ein, Denkbarrieren aus dem Weg zu räumen, um die Gesellschaft wieder zukunftsfähig zu gestalten. Der Inhalt dieses Buches ist für die UmDenkSeiten richtungsweisend. Stilistisch lehnt sich die Bezeichnung „UmDenkSeiten“ an den Titel des Online-Magazins „NachDenkSeiten“ an. Auf diese Weise soll deutlich gemacht werden, dass es neben der kritischen Website fortan auch eine utopische Website geben wird. Für die Zustimmung zur Verwendung des Namens sei dem Publizisten Albrecht Müller herzlich gedankt.

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Dieser Satz wird oft Helmut Schmidt zugeschrieben. Ob er ihn tatsächlich gesagt hat, ist unklar – doch das ist letztlich zweitrangig. Wichtiger ist: Wenn Sie eine zukunftsweisende Idee haben, behalten Sie sie bitte nicht für sich – und gehen Sie damit erst recht nicht zum Arzt. Stattdessen wäre es ratsam, Ihre Visionen mit uns zu teilen, denn nur auf den UmDenkSeiten finden sie den Raum, der notwendig ist, um etwas zu bewirken.

Fußnote

Vgl. Patalong, Frank: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Stammt dieser berühmte Satz wirklich von Helmut Schmidt? (19.02.2023), in: Spiegel Online.